AUSSTELLUNGEN



DIE „FEESER“ AKTE  2008
DE ORTE  2004



DIE „FEESER“ AKTE

Politik und Wirtschaft gestalten ein neues städtebauliches Entree zur historischen Altstadt Marburgs.

Oder:
Wie man eigentlich ein zweites Erlenring-Center an dieser Stelle verhindern wollte.  
Oder: Das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Behörde und das Ringen der Bürger um Mitbestimmung  
Oder: Wie ‚zeitgemäße moderne Architektur’ entsteht  
Und:  Was Marburg daraus lernen muss.  
Eine Dokumentation der IG MARSS e.V.
Sieben Jahre Auseinandersetzungen um eine Bebauung und die Folgen.

Mit Blick
auf das Markdreieck konnten die Marburger am 24.5.2008 von 10-18 Uhr auf dem E. Blochmann Platz einen Blick auf die Dokumentation „ Die ‚Feeser’ Akte“ werfen. 326 Besucher lasen interessiert die ausgestellten Tafeln.

Feeser Akte


IG MARSS zeigte Dokumentation „ Die ‚Feeser’- Akte“ im Mai und Oktober 2008 Zwei Jahre nach Erteilung der von ihr heftig kritisierten Baugenehmigung für das Marktdreieck präsentierte die IG MARSS am Samstag, den 24.Mai von 10 bis 18 Uhr auf dem Elisabeth Blochmann Platz neben der Mensa eine umfangreiche Dokumentation mit dem Titel  „ Die ‚Feeser’-Akte“.  

Auf 9 Tafeln wurde die Entwicklung der Erlenringspange von den 80er Jahren bis heute dargestellt.  Die Macher der Ausstellung haben dafür eine Fülle von Dokumenten, Plänen, Fotos, Presseberichten und Texten zusammengestellt, die der Grafiker Vladi Zitzer modern und lebendig gestaltet hat.  
Ziel der Ausstellungsmacher* ist es zu dokumentieren, welchen Weg die Bebauung dieses Tor-Bereiches zur Marburger Innenstadt in den vergangenen 20 Jahren genommen hat. Dabei spielen politische und wirtschaftliche Positionen und deren Wandlungen im Laufe der Jahre eine ebenso große Rolle wie der seit 1999 aufkeimende Widerstand Marburger Bürger. (Mehr hierzu siehe im ARCHIV > Feeser )

Die Ausstellung will damit die Sinne der Bürger für viele kommende Veränderungen und Projekte in Marburg schärfen.  Sie möchte dazu beitragen, dass der bereits  1998 von Politikern vehement vorgebrachte Wille, Bausünden wie das Erlenringcenter künftig zu verhindern, endlich eine verlässliche Zusage der politisch Verantwortlichen in der Stadtbildgestaltung Marburgs wird. Sie erhält eine besonders aktuelle Bedeutung durch die jetzt bekannt gewordenen Pläne, im Anschluss an Mensa und Erlenring-Center eine umfangreiche Studentenapartmentanlage mit 5 Stockwerken zu errichten.
Die Dokumentation war anlässlich des „2.Jahrestages“ der Baugenehmigung für das Marktdreieck zunächst nur am 24.5. zu sehen und wurde vom 18.10. bis 31.10.2008  erneut in der Brüder-Grimm-Stube am Markt  vorgestellt. Die Besucher hatten die Möglichkeit die Marburger Entwicklung in Bezug auf Stadtplanung und Stadtbild zu bewerten, indem sie eine Kastanie in eines von zwei Gefäßen auf einer Waage warfen. 103 Besucher beteiligten sich. 97 kritisierten die Entwicklung und 6 hatten keine Einwände.

Feeser Akte Oktober
Insgesamt hatten im Mai rd. 400 Besucher gesehen (unter Tausenden von Passanten wurden dabei nur diejenigen gezählt, die die Ausstellung teilweise oder ganz wahrgenommen hatten. In die Brüder-Grimm-Stube kamen 187 Besucher.
 Team der Ausstellung: Udo Becker, Dorothee de la Motte, Ulla Hirt, Hans Sauer, Claus Schreiner. Gestaltung: Vladi Zitzer  
Schulen und Vereine und andere Institutionen können die 9 Tafeln der Ausstellung gerne bei der IG MARSS ausleihen. (info@stadtbild-marburg.de)


,,ÖDE "ORTE 
18.August - 19.September 2004 in der Brüder Grimm Stube am Markt. (Vorher gezeigt Mai/Juni in Weidenhausen in den Schaufenstern der ehem. Metzgerei Becker)

Eine Fotodokumentation zeigte die Stadt jenseits ihrer touristischen Fassade. 
Besucherzahl im Aug,/September: mehr als 1.300!

Meinungen von Besuchern  

Öde OrteÖde Orte

Stadträume sind Lebens- und Erfahrungsräume. Auf der Suche nach lokaler Identität gewannen seit Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Marburg wie andernorts die historischen Stadtzentren wachsende Wertschätzung. Die Debatten um behutsame Stadterneuerung und postmoderne Architektur setzten eine Inszenierung von Geschichtlichkeit in Gang, die mit der Entdeckung des Tourismus als wichtigem Wirtschaftsfaktor in der zunehmenden Konkurrenzsituation zwischen den Städten verstärkte Aufmerksamkeit erfährt. Denn anheimelndes Ambiente mit herausgeputzten Fassaden, Fußgängerzonen und Plätzen garantiert hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität für Bürger und Besucher der Stadt.


Dem gefallsüchtigen Fassadendekor der historischen und historisierenden Zentren stehen jene Stadträume gegenüber, die auf keiner Ansichtskarte erscheinen. Es sind die unwirtlichen Orte, deren architektonische oder städtebauliche Gestaltung allein dem Imperativ der Zweckmäßigkeit und der Entmischung der Stadtfunktionen geschuldet ist: Trabantensiedlungen mit unbelebten Plätzen und Grünanlagen, tote Winkel unter Brücken und Straßenüberführungen, in denen allenfalls Obdachlose Zuflucht suchen, abschreckende Fußgängerunterführungen, den Blick einengende Schallschutzwände, trostlose Parkhausfassaden und wuchernde Gewerbeansiedlungen an der Peripherie.
Diese "öden Orte" sind es, die die tägliche Wahrnehmung des städtischen Raumes nicht weniger beeinflussen als die touristischen Aushängschilder, ob wir uns nun als Fußgänger, Rad- oder Autofahrer in der Stadt bewegen. Während die herausragenden baulichen Zeugnissen der Stadtgeschichte in aufschlussreichen Führungen, auf Ansichtskarten, in schmucken Bildbänden und Reiseführern gewürdigt werden, widerfährt den abseitigen Stadträumen in der Regel jedoch kein öffentliches Interesse
 Aber auch in der Marburger Innenstadt mit ihren schmucken historischen Bauten schreitet in jüngster Zeit die Verödung deutlich sichtbar voran. Hinter den properen Fassaden vollzieht sich der wirtschaftliche Niedergang des Einzelhandels, von dem der Ladenleerstand beredtes Zeugnis ablegt. Für immer längere Zeiträume zwischen Geschäftsaufgabe und neuer Nutzung reißen verwaiste Schaufenster und Geschäftsräume Lücken in das Straßenbild, über die auch noch so geschicktes Stadtmarketing nicht hinweg täuschen kann.

Diese Fotodokumentation lenkt die Aufmerksamkeit auf jene trostlosen Stadträume. Sie beleuchtet die Kehrseite der technokratischen Bau-, Planungs- und Verkehrspolitik, die in Marburg vielleicht weniger als in anderen Städten das Stadtbild nachhaltig geprägt hat. Und sie will gleichzeitig dazu anregen, die Sensibilität für eine Stadtgestaltung nach "menschlichem Maß" zu schärfen. Als fotografische Bestandsaufnahme liefert sie darüber hinaus einen ernüchternden Überblick über die sichtbaren Auswirkungen des Ladensterbens auf das Marburger Stadtbild. (Text von Werner Girgert) Die Fotografien von Gerhard Haberle, Werner Girgert und Jean Chanel entstanden im Herbst 2003 und im Frühjahr 2004. )
Die Ausstellungseröffnung fand am Mittwoch, 26. Mai 2004, 18 Uhr, statt.
INITIATIVGRUPPE
MARBURGER STADTBILD
UND
STADTENTWICKLUNG e.V